Das Bild im Hintergrund erschien in einer Zeitung aus dem Jahr 1879

Die Geschichte zum Bild

Auf der Weltausstellung in Paris (im Jahr 1878) präsentierte der französische Mathematiklehrer Augustin Mouchot seine Solar-Dampfmaschine der Öffentlichkeit. 

 

Die Maschine 

Mit einem Brennspiegel konzentrierte Mouchot das Sonnenlicht auf einen Heizkessel, welcher von einer Glasglocke umgeben war. Die Temperatur im Inneren der Apparatur stieg an und brachte Wasser zum Verdampfen. Der entstandene Dampf konnte dann in Bewegungsenergie umgesetzt werden. Um den Effekt zu verstärken, konnte der Spiegel (mit Hilfe von mechanischen Vorrichtungen) immer wieder neu zur Sonne ausgerichtet werden.

 

Das Zeitalter

Im 19. Jahrhundert (im Zeitalter der Industriellen Revolution) führte die breite Nutzung der Dampfmaschine in ganz Westeuropa und den USA zu dauerhaften wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen der Gesellschaft.

Der Energiehunger jener Zeit wurde hauptsächlich mit dem fossilen Energieträger Kohle gestillt.

 

Der Erfinder

Der im Jahr 1825 geborene Augustin Mouchot war getrieben von der Idee, eine alternative Energiequelle finden zu müssen. Er glaubte, dass die Kohlereserven bald verbraucht sein würden.

 

Die Ökonomie (steuert Prozesse)

Entgegen seiner Erwartung wurden immer neue Kohlevorkommen erschlossen, die Förderverfahren verbessert und mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes der Transport günstiger. So verebbte der Ruf nach neuen Energiequellen.

Zudem hat eine Kommission der französischen Regierung festgestellt, dass der Betrieb von Solarmaschinen in der gemäßigten Zone Mitteleuropas unwirtschaftlich sei.

 

Das Ende

Und so kam für Mouchot und seine Erfindung (nachdem er auf der Weltausstellung 1878 eine Goldmedaille bekommen hatte) das Aus.


Seitdem sind über 130 Jahre vergangen.

 

Wie wäre unser Entwicklungsstand heute, wenn wir die vergangenen 130 Jahre zur Weiterentwicklung der Solartechnologie genutzt hätten?

 

Auch heute gilt noch: Die Ökonomie steuert Prozesse

Und bei den meisten Projekten ist die zentrale Frage: Rechnet sich das auch?

 

Vor dem Hintergrund einer wachsenden Weltbevölkerung und der Endlichkeit fossiler Energieträger (Erdöl, Erdgas und Kohle) könnte man erwarten, dass die Preise für diese Rohstoffe stetig steigen und eine immer effizientere Nutzung angestrebt wird. 

Langfristig gesehen ist das auch sicherlich richtig, doch freie Märkte funktionieren im Allgemeinen nach dem ökonomischen Prinzip von "Angebot und Nachfrage". Und auf dem globalen Markt gibt es zahlreiche Erdöl- und Gasproduzenten, die bereit sind, ihre Rohstoffvorkommen immer schneller auszubeuten und auf dem Weltmarkt anzubieten. Diese Entwicklung wird noch unterstützt, durch eine stetige Verbesserung der Förderverfahren und die Erschließung neuer Vorkommen.

Das große Angebot (der eigentlich knappen Rohstoffe) führt zu einem relativ niedrigen Preis auf dem Weltmarkt. Und als Folge daraus ergibt sich die "unglückliche" Situation, dass eine Investition (in die effizientere Nutzung fossiler Energieträger) ökonomisch betrachtet oft nicht sinnvoll erscheint (und damit ausbleibt).

 

Im "Kleinen" kann das bspw. bedeuten, dass eine alte Öl- oder Gas-Heizungsanlage nicht getauscht wird, da die Einsparung beim Einsatz einer neuen Anlage (im Verhältnis zum Anschaffungspreis) nicht groß genug wäre.

 

Auch der Einsatz von innovativer Heiz-Technologie basierend auf regenerativen Energieträgern (Sonne, Biomasse, Umweltwärme, ...) scheitert regelmäßig an der Kostenfrage, wenn ausschließlich von (kurzfristigen) ökonomischen Kriterien ausgegangen wird.

 

Die Heizungsanlage für einen Neubau soll bspw. möglichst günstig "in der Anschaffung" sein, da es ja sowieso schon teuer genug ist zu bauen.

 

Nachhaltigkeit spielt häufig nur in dem Maße eine Rolle, wie diese von staatlicher Seite vorgegeben wird.

Im Gebäudebereich (in Deutschland) sind es (u.a.) das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) und die Energieeinsparverordnung (EnEV), die den gesetzlichen Rahmen dazu bestimmen.

Darüber hinaus findet Nachhaltigkeit meist nur dann Zustimmung, wenn sie sich möglichst kostenneutral verhält.

 

Das große Ziel (in Deutschland) ist ein klimaneutraler Gebäudebestand bis zum Jahr 2050 und mit den aktuellen Bauprojekten stellen wir die Weichen für die nächsten Jahrzehnte.

 

Bei der Sanierung eines Bestandsgebäudes oder dem Bau eines neuen Gebäudes sind zahlreiche Entscheidungen zu treffen. Für viele Menschen keine alltägliche Situation, zum einen wegen der finanziellen Tragweite und zum anderen, weil man sich meist für einen längeren Zeitraum festlegen muss.

 

Trifft man eine ungünstige Wahl bei der Heizungsanlage, hat man 20 Jahre Zeit sich darüber zu ärgern.

 

Und dann flüstert einem die "Ökonomie" ins Ohr: Ein Projekt muss finanzierbar sein, sonst macht es keinen Sinn. Und außerdem: Ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss.

 

Und dann flüstert die "Nachhaltigkeit" in das andere Ohr: Es wäre schön, wenn wir die natürliche Regenerationsfähigkeit unseres Planeten nicht überfordern und auch für zukünftige Generationen ein lebenswertes Umfeld hinterlassen. Und außerdem: Man sägt nicht an dem Ast auf dem man sitzt.

 

Gedanke:

Wenn wir die letzten 130 Jahre zur Weiterentwicklung der Solartechnologie genutzt hätten, dann wäre die Wahrscheinlich groß, dass diese regenerative (nachhaltige) Technologie heute sehr leistungsfähig und günstig wäre. Und irgendein kluger Kopf hätte (schon vor vielen Jahren) daraus abgeleitet, dass Nachhaltigkeit einen erheblichen ökonomischen Wert hat (nicht nur volkswirtschaftlich, sondern für jeden einzelnen Menschen, denn jeder würde diese Technologie jetzt nutzen).